Die große Jugendhilfe-Reklamat!on

Protest-Kampagne zur Verbesserung der Situation in der Berliner Jugendhilfe

Die Jugendhilfe funktioniert leider nicht richtig und wir müssen sie zurückgeben. Sie hatte schon immer ihre Macken, das haben alle, die je mit ihr zu tun hatten, bei genauerem Hinsehen schnell gemerkt. Weil sie aber trotzdem dringend gebraucht wurde, wir sie ins Herz geschlossen haben und es einfach keine andere gab, waren wir über viele Jahre bereit, etwas über die Mängel hinwegzusehen.

Es gab auch mehrfach Reparaturversuche. Diese haben manchmal sogar etwas geholfen, oft die Schwierigkeiten aber noch vergrößert. Gleichzeitig wurden die Anforderungen an die Jugendhilfe größer und vielfältiger und sie wird diesen einfach nicht mehr gerecht. Darunter leiden sowohl Kinder, Jugendliche und Eltern, die sie benötigen, als auch in ihr tätige Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen und sonstige Akteur*innen inzwischen so stark, dass unsere Toleranz nun ausgeschöpft ist. Wir brauchen eine neue Jugendhilfe, die alte geben wir zurück.

Ausgangssituation und Perspektiven

Der Kinder- und Jugendhilfe geht es seit Jahren zunehmend schlechter. Das komplexe Hilfesystem ist inzwischen derart belastet, dass es seinem gesetzlich verankerten Anspruch oft nicht mehr gerecht werden kann. Sowohl die betreuten und beratenen Kinder, Jugendlichen und Eltern als auch die in der Jugendhilfe tätigen Kolleg*innen sind nicht mehr funktionierenden Strukturen ausgesetzt, die für alle Beteiligten große Risiken beinhalten.

Es gilt, die vorhandenen Mängel und daraus abgeleitete Forderungen entschieden und öffentlichkeitswirksam zu reklamieren, das heißt zu beanstanden und auszurufen.

Ziele

Die Kampagne soll die Jugendhilfesituation in Berlin verbessern. Sie dient im Einzelnen

  • der Bewusstmachung gravierender Mängel in der Jugendhilfe, sowohl bei uns Fachkräften als auch in der Öffentlichkeit und Politik,
  • der Entwicklung von entsprechenden Forderungen und
  • der Vorbereitung und Durchführung öffentlichkeitswirksamer Aktionen zur Durchsetzung dieser gemeinsam entwickelten Forderungen.

Kolleg*innen aus unterschiedlichen Bereichen und allen Funktionsebenen der Kinder- und Jugendhilfe werden vernetzt und aktiv, indem sie miteinander ins Gespräch kommen und sich tatkräftig gegenseitig unterstützen.

Verlauf und Methoden

1. Die Diskussionsphase – 15.05.-15.06.19

In diesem Zeitraum haben die beim Reklamat!onsteam angemeldeten Diskussionsrunden im privaten oder beruflichen Rahmen mit jeweils maximal zehn Teilnehmenden stattgefunden. Insgesamt haben sich daran etwa 500 Fachkräfte beteiligt, die gravierendsten Mängel der Berliner Jugendhilfe beschrieben und daraus 676 Forderungen zur Verbesserung entwickelt.Nach Beendigung der Diskussionsphase hat das Reklamat!onsteam die Ergebnisse aller Gruppen ausgewertet und die Forderungen nach Oberthemen sortiert.

Ein daraus erstellter Gesamtkatalog aller Forderungen wurde anschließend jedem*r einzelnen Diskussionsteilnehmer*in online zugesendet, mit der Aufforderung, über die Priorität der Forderungen abzustimmen – gemeinsam mit allen Fachkräften der Berliner Kinder- und Jugendhilfe. Abgestimmt haben rund 1400 Fachkräfte.Danach standen die 13 wichtigsten Forderungen der großen Jugendhilfe-Reklamat!on fest und wurden am 13.08.19 veröffentlicht.

2. Die Kreativphase – 13.08.-23.09.19

Anschließend begann die etwa sechswöchige Kreativphase. In diesem Zeitraum waren alle Teilnehmer*innen der Kampagne aufgerufen, den energetischen Schwung der Diskussionsrunden und der erarbeiteten Ergebnisse der vielen Beteiligten zu nutzen, um die Misere und die Anliegen der Jugendhilfe laut und deutlich zum Ausdruck zu bringen, sie auf diese Weise öffentlich zu machen, sich gegenseitig zu stärken und in diesem Geiste zusammen zahlreiche große und kleine, klassische und ungewöhnliche, neue und kunstvolle Protestaktionen durchzuführen.Informationen über die Aktionen findet ihr unter Neuigkeiten und Veröffentlichungen.

Für Rückfragen könnt ihr uns unter reklamation@dbsh-berlin.de erreichen.